Die Geschichte des Orchesters

Es ist seit Langem bekannt, dass das Zusammenspiel mehrerer Musikinstrumente nicht nur die Klangfülle erhöht, sondern auch eine psychologische Wirkung auf den Zuhörer hat. Daher entstanden überall dort, wo sich Menschen ansiedelten, nach und nach Musikergruppen, die Schlachten oder öffentliche Feiern begleiteten: Tempelrituale, Hochzeiten, Krönungen, Militärparaden und Unterhaltung in Palästen.

Neben Ensembles, die verschiedene Musikinstrumente einbeziehen, gibt es auch Gruppen, die keine Musikinstrumente auf der Bühne spielen, wie beispielsweise Tanzgruppen oder Vokalensembles. Letztere vertonen Musik nur mit der Stimme und manchmal sogar durch die Imitation verschiedener Musikinstrumente, wie Trompete, Saxophon oder Kontrabass. In einer Gesangsgruppe sind außer der menschlichen Stimme keine weiteren Musikinstrumente vertreten. Ensembles können auch nur Instrumente einer bestimmten Art umfassen, beispielsweise nur die Blasinstrumente, aus denen sich ein Blasorchester zusammensetzt.

Die ersten Orchester

Die ersten Orchester, die hauptsächlich Oboen und Fagotte verwendeten, erschienen im 15. Jahrhundert in Deutschland. Ende des 18. Jahrhunderts verbreiteten sich Ensembles, in denen Triangeln, Flöten, Becken und große Trommeln gespielt wurden. Die Anzahl der Musiker in Orchestern stieg im Laufe der Zeit an. Die Orchestermusik wurde durch häufige Wettbewerbsauftritte populär, wie beispielsweise im Londoner Alexandra Palace und im Belle View in Manchester. Im Jahr 1900 wurde in Großbritannien das erste National Brass Band Festival veranstaltet.

Die ersten Militärkapellen entstanden in den USA während des Bürgerkriegs (1861–1865). Die Hauptaufgabe der Musikkapellen war damals, die Moral der Soldaten zu stärken. Später wurden die Militärkapellen durch Stadtorchester ersetzt. Sie bestanden aus einheimischen Musikern, die zu besonderen Anlässen und bei offiziellen Feierlichkeiten auftraten. Auch heute haben die Stadtorchester ihre Bedeutung. Viele Schulen und Universitäten in den USA haben noch stets ihre eigenen Studentenorchester. Festivals und Wettbewerbe von Highschool- und College-Orchestern tragen zur Popularisierung von Orchestermusik bei.

Eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Orchestermusik spielte Beethoven. Er kombinierte klassische und romantische Stile und schlug mit seiner Musik eine Brücke zwischen den beiden Epochen. Beethovens Einsatz des Orchesters ist nicht einfach nur virtuos, er zwingt die Instrumentalisten an die Grenzen ihrer Fähigkeiten und die technischen Möglichkeiten bestimmter Instrumente.

Beethovens berühmter Satz an einen Geiger als Antwort auf dessen Kritik an der „Unspielbarkeit“ einer Beethoven-Passage charakterisiert bemerkenswert die Einstellung des großen Komponisten zu technischen Problemen des Musikspielens: „Was kümmert mich seine arme Geige, wenn der Geist zu mir spricht?“ Damit brachte Beethoven seine Überzeugung zum Ausdruck, dass die musikalische Idee immer im Vordergrund steht. Doch gleichzeitig kannte Beethoven die Möglichkeiten der damaligen Orchesterinstrumente genau und schrieb Musik, die auch noch Jahrhunderte später von Musikern meisterhaft gespielt wird und das Publikum begeistert.

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